|
Viele Züchter schreiben nicht, wenn eine
Krankheit in ihrer Zucht auftaucht. Die meisten verdrängen es oder verschweigen es. Wer mich kennt, weiß, dass ich dies nicht tue.
Mein Motto ist: ehrlich währt am längsten.
Das Problem: Bei unserem E-Wurf (geb. 04.11.10) fand ich
nur bei den schwarz-weißen Welpen im Alter von ca. 8 Wochen kleine braune
Krusten in den Ohren. Es waren nur wenige und zuerst dachte ich, die Welpen
haben gekämpft und sich verletzt. Wenn man die Krusten entfernte, war die reine
Haut zu sehen, aber keine Rötung oder ähnliches.
Eve und Enyo zogen dann auch bald in ihr
neues Zuhause um, Enapay suchte noch das passende Zuhause und Lilly und Emma sollten ja bei uns
bleiben. Als Eve im Alter von 12 Wochen zu Besuch kam, fiel mir auf, dass sie "lichte"
Stellen im Gesicht hatte. Vor allem die Partien unter den Augen und der
Nasenrücken waren betroffen. Wenig später entdeckte ich bei Enapay auch diese
Stellen, aber nur unter den Augen. Die Besitzerin von Enyo berichtete mir das
gleiche, wobei bei ihm auch Rutenspitze und Pfoten betroffen waren. Lilly und Emma,
die beiden Bi blues, zeigten keinerlei Veränderungen.
Mein erster Gedanke: Dermatomyositis!
Nur woher sollte die kommen? Ich denke, das ist mit das Schlimmste, was einem
Züchter passieren kann. Zu diesem Thema
gibt es einige Seiten im Internet (s. unten) und auch in Deutschland kommt diese Erkrankung
in verschiedenen Linien (amerikanische UND englische) vor. Aber bisher hat wohl
kein Züchter Tiere, die dies vererben, aus der Zucht genommen. Somit taucht
diese Erkrankung immer wieder auf. - Aktuell sogar in unserer Tierklinik, in der
auch
ein Welpe aus englischen Linien in Behandlung ist. Nähere Informationen haben
wir wegen dem Datenschutz keine erhalten.
Eves Besitzerin hatte bereits einen
Pilztest machen lassen, der aber negativ war. Sie sagte, in der Tierklinik hier in Birkenfeld gäbe es eine dermatologische Abteilung. Also vereinbarte sie
dort einen Termin, zu dem ich mit Enapay auch mitging. Die Tierärztin nahm
Proben (Hautgeschabsel, Schuppen und Haare) von beiden Welpen. Nach längerer
Wartezeit wurden wir wieder aufgerufen und sie teilte uns mit, dass sie keine
Milben gefunden habe. Unser Verdacht waren natürlich auch Demodexmilben. Unter
den schuppigen Stellen, die teils in den Ohren und unter den Augen auftraten,
wurden allerdings Bakterien gefunden. Sie zeigte uns in einem englischsprachigen
Buch Fotos von mit Dermatomyositis (DM) befallenen Shelties und Collies. Ihr
Verdacht war diese schreckliche Krankheit! Wir bekamen ein Antibiotikum und
einen Schaum mit, der auf die haarlosen Stellen aufgetragen werden sollte, um
die Schuppen zu lösen. Ein
Termin für eine Biopsie wurde vereinbart, denn nur so kann man DM nachweisen.
Bei Enapay wurden noch Proben für einen Pilztest entnommen, der aber auch, wie
wir wenig später erfuhren,
negativ war.
Bei Eve wurde dann eine Biopsie gemacht, die
entnommenen Proben nach England geschickt. Die Ahnentafel kopierte sich die
Tierärztin auch, dieses Mal war die Chefin der Abteilung auch anwesend und
bestätigte auch den Verdacht auf DM. Nach zwei Wochen sollten wir ein Ergebnis
bekommen. Wieder warten!
Eves Besitzerin hatte in
der Zwischenzeit eine Homepage in den USA (Texas) gefunden. Dort gibt es zwei
Tierärztinnen, die diverse Studien über DM gemacht
haben. Sie werden dabei von einer Sheltiezüchterin unterstützt und haben auch Testverpaarungen mit befallenen Shelties
vorgenommen. Ich
schrieb hin und schilderte mein Problem. Schon am nächsten Tag erhielt ich
Antwort. Ich solle sowohl von der Mutter als auch vom Vater die Ahnentafel
zuschicken, was ich auch tat. Da Elaine bereits einen Wurf mit Kuga hatte,
schickte ich auch seine Ahnentafel mit. Als Antwort erhielt ich, dass in Kugas
Ahnentafel keine Hunde auftauchen, die DM vererben oder wo der Verdacht besteht.
Von Elaine und Cooper benötigte sie mehr Generationen, also machte ich mich mit
Hilfe meiner seit Jahren geführten Sheltie-Datenbank an die Arbeit. Ich erstellte je eine
5-Generationen-Ahnentafel und nahm von den letzten Generationen wiederum die
einzelnen Hunde und fertigte davon je 5-Generationen-Ahnentafeln an. Nun hoffe
ich, dass mir dort weitergeholfen wird, da ich gerne wüsste, in welchen Linien
diese Krankheit schon aufgetreten ist. Wie ich von einer Züchterin in den USA
weiß, sind dies einige.

Nun haben wir das Ergebnis der Biopsie:
Dermatomyositis! Enapay bekommt weiterhin sein Antibiotikum, weil Bakterien
unter den Schuppen gefunden wurden und diese noch nicht vollkommen weg sind. Außerdem soll er Dermanorm-Kapseln einnehmen.
Diese Unterstützen die Hautfunktion bei Dermatose und übermässigem Haarausfall.
Weiterhin bekommt er Vitamin E und wegen der Erkrankung Trental. Damit wurden
gerade in den USA gute Ergebnisse erzielt und die erkrankten Shelties mussten
meist nicht mit Kortison behandelt werden. Dies wäre dann der nächste Schritt,
falls mit Trental keine Besserung eintritt.
Aber wir hoffen, dass Trental bei ihm anschlägt, da es sich wohl um eine
leichtere Form der DM handelt. 
Nun beginnen die Nachforschungen ...
Cooper hatte bereits in Schweden
sechs Welpen gezeugt, die älter sind als unsere. Bei diesen ist alles in Ordnung
und auch bei den Welpen von Sissy gibt es keinerlei Anzeichen für Haarausfall.
Sollte die DM von Elaine vererbt werden? Elaines Mutter wies Ekzeme auf als wir die Welpen im Alter von 4 Wochen
besuchten. Die Züchterin sagte nur, das habe sie wohl streßbedingt bei jedem Wurf. Damals
dachten wir uns noch nichts dabei. Komisch ist, dass aus Elaines Wurf (von dem 7
von 12 Welpen überlebten) bereits zwei Geschwister verstorben sind. Elaines
Schwester wurde nur etwas älter als ein Jahr, die genaue Todesursache wurde nie
festgestellt. Ihr Bruder trank aus einer Pfütze, wurde mit Leptospiren infiziert und starb im Alter von 1 1/2 Jahren. Elaines Halbschwester (mütterlicherseits) starb
im Alter von 3 1/2 Jahren an einem Hirntumor. Alles nur Zufälle?
Im Nachhinein läßt sich
zusammenfassend - in Anbetracht all dieser "eigentlich" verschiedenen Symptome
- vielleicht auf vererbbare autoimmunologische Defekte schließen, die sogar
zusammenhängend betrachtet werden können. Hirntumore (neben anderen Tumoren),
nässende Ekzeme (in und auch ohne Streßsituationen) und auch DM lassen sich
neben Inzuchtsdepressionen (hier ist auch die hohe Sterblichkeitsrate von
relativ jungen Shelties zu erwähnen) nach neuesten wissenschaftlichen
Erkenntnissen auf vererbbare autoimmunologische Fehlsteuerungen zurückführen.
Dies muss hier nicht vorliegen, erscheint aber mehr als wahrscheinlich.
Aus Texas wissen wir, dass Hündinnen, die DM vererben, nicht in jedem Wurf betroffene
Welpen haben müssen. Die DM kann aber dann später bei den erwachsenen Hunden auftreten.
So werden wir den Rat unserer Tierärztin befolgen und Elaine kastrieren lassen.
Die Welpenkäufer, die
Nachkommen von ihr haben, wurden alle von uns informiert. Unsere Zucht führen
wir mit den bereits vorhandenen Linien weiter, denn dort gab es bei uns mit DM noch nie
Probleme.
Dies haben wir aufgeschrieben, um vor solchen Krankheiten zu
warnen und über sie zu informieren. Warum nun ausgerechnet Elaines
Welpen betroffen sind, wissen wir nicht, aber wir versuchen es, herauszufinden.
Sollte uns dabei jemand helfen können oder auch betroffene
Hunde haben, wäre ein Erfahrungsaustausch super. Leider konnte immer noch nicht
genau festgestellt werden, wie DM vererbt wird.

Die neuesten Erkenntnisse ...
Der Tierarzt von Enyos Besitzerin hat sich mit einem
Tierarzt in den USA in Verbindung gesetzt. Dieser sagte, dass die DM rezessiv
vererbt würde. An einem Gentest wird z. Z. gearbeitet.
Gerade bei schwarz-weißen Shelties kämen in bestimmten
Linien oft
Autoimmunerkrankungen, wie z. B. Nierenschäden, Hauterkrankungen oder Tumore vor.
Dies hinge wohl damit zusammen, dass diese Farbe keine ursprüngliche Colliefarbe
sei. Bei Blue merles oder Bi blues seien noch keine solcher Erkrankungen
aufgetreten, sehr wohl aber gehäuft bei schwarz-weißen Shelties. Es wird sogar
darüber nachgedacht, in den USA weniger Tiere mit schwarz-weißer Farbgebung zu züchten, um
diese Autoimmunschwäche in den Griff zu bekommen.
Wir hoffen, bald noch mehr darüber zu erfahren.

08.03.2011: Antwort aus Texas!
Nun haben wir Antwort aus Texas erhalten und wissen etwas
mehr. Sherry Lindsey, der ich die Ahnentafeln von Elaine und Cooper geschickt
hatte, hat mir Hunde genannt, bei denen der Verdacht besteht, dass sie DM
vererbt haben. Diese betreffen die von mir gesandten Ahnentafeln, deshalb werde ich diese
Namen hier nicht veröffentlichen. Sherry steht allen Züchtern und Besitzern zur Verfügung,
die mehr über DM wissen möchten oder die Hunde besitzen, bei denen Symptome
aufgetreten sind. Wer also schon einen
Fall von DM hatte und Fragen zu den Ahnentafeln seiner Hunde hat (natürlich nur
die amerikanischen Linien), der kann ihr schreiben und sie versucht
herauszufinden, ob es Hunde in weiteren Generationen gibt, die DM vererbt haben.
Ihre E-Mail-Adresse lautet:
Shalainetx@aol.com.
Sherry hat bereits eine Mail von jemandem bekommen, der
diese Seite hier gelesen hat und befürchtet, sein Sheltie sei auch an DM
erkrankt. Also kommt diese Erkrankung doch nicht so selten vor, es spricht nur
niemand darüber!?

Leider erhielt ich
persönlich auf diesen Text keine Resonanz, weiß aber, dass in diversen
Sheltieforen darüber geschrieben wurde. Es scheint auch mindestens zwei deutsche
Züchter zu geben, bei denen Dermatomyositis schon aufgetreten ist. Es wird wie
gehabt darüber kein Wort verloren, die Elterntiere sind bzw. waren weiterhin in
der Zucht...
Ich kann mir nicht
vorstellen, dass es so wenige Fälle von DM in Europa gibt. Aber bitte, schweigt alle
weiter darüber, irgendwann holen Euch die Sünden der Vergangenheit ein...
Es
werden wohl in absehbarer Zukunft vermehrt Fälle von DM bei
Shelties auftreten, dann "muss" dieses Tabuthema zum Wohle
der Rasse öffentlich behandelt werden. Genauso wie es HEUTE
schon eine Datenbank für DM bei Schäferhunden gibt, müssen
wir diesen Weg mit ziemlicher Sicherheit auch gehen. In den
USA sind sie uns, wie üblich, diesbezüglich wieder um Jahre
voraus.

Juli 2011
Enapay geht es momentan sehr gut. Die
Haare im Gesicht sind bis auf kleine Stellen alle wieder da, nur die Rutenspitze
ist noch etwas kahl. Gerade an dieser Stelle dauert es halt ewig, bis die Haare
wieder wachsen. Seine Schwester Eve wurde bereits kastriert und hat danach
nochmals einen Schub bekommen. Die Haare unter den Augen, auf dem Nasenrücken
und bis zu den Mundwinkeln sind ausgefallen, die Stellen verkrustet.
Mittlerweile kommen aber wieder schwarze Stellen und die Härchen sprießen.
Enapay wird Ende Juli kastriert, wir können nur hoffen, dass dadurch nicht auch
ein
weiterer Schub folgt. Auch Enyo geht es sehr gut, aber auch er hat noch eine
etwas kahle Rutenspitze. Neuerdings gibt es auch wieder Krusten in den Ohren,
ansonsten geht es ihm aber gut.
Enapay war nochmals zur Nachuntersuchung
in der Tierklinik,
alles sieht soweit gut aus und die Trentaldosis muss auch nicht erhöht werden. Die
Spezialistin für Dermatologie sagte, dass es sich nun herauskristallisiere,
dass die DM autosomal dominant vererbt wird. Es muss aber nicht in jedem Wurf z.
B. der Mutter auftreten, es kommt auf die Verpaarung an und ob vom anderen
Elterntier auch vererbt wird.
Wir haben
nun bereits vier deutsche Zwinger (3x englische Linien, 1x überwiegend
amerikanische Linien) ausfindig gemacht, in denen DM schon vorkam. Die betroffenen
Hunde - fast alle ältere Semester - sind sogar teilweise miteinander verwandt, was ja sehr aufschlussreich ist.
Leider verschließen die Züchter weiterhin die Augen, das gibt mir
sehr zu denken, aber so etwas habe ich erwartet. Es wurde und wird auch mit den
Eltern und Geschwistern dieser Hunde weitergezüchtet... Auch die Tierärztin ist
der Meinung, dass es nur von Vorteil wäre, wenn sich die Züchter z. B. eine
Datenbank aufbauen, damit solche Erkrankungsfälle vermieden werden könnten. Aber
darauf können wir wohl lange warten...

Links zum Thema Dermatomyositis:
http://www.tintenblau.de/
http://www.shalaine.com/dm/dm.html
Diese Seite ist auch einen Klick wert, hat aber mit dem Thema
nichts zu tun:
http://www.shalaine.com/quiltworks/portraits.html |