Shelties "from the Olympic Mountains" - Dermatomyositis

 
Probleme in der Zucht - was nun?

Thema: Dermatomyositis (DM)

(nicht zu verwechseln mit DM = Degenerative Myelopathie)

An dieser Stelle möchten wir uns bei allen bedanken, die uns mit Informationssuche und Zuspruch unterstützen! Ein ganz besonderer Dank gilt den Besitzerinnen von Eve und Enyo, die trotz der Erkrankung ihre Lieblinge behalten und uns auch weiterhin die Treue halten. Danke für Eure Freundschaft! Danke auch an meine Freundin im hohen Norden, die am Telefon immer ein offenes Ohr für mich hat und mich aus meinem "Depri-Loch" geholt hat nach diesem Schock.

Anmerken möchten wir noch, dass sich der Vater des E-Wurfes nicht in unserem Besitz befindet. Seine Besitzerin ist über die Erkrankung der Welpen informiert, wir stehen weiterhin in Kontakt. Da sie bisher keine Probleme in ihrer Zucht mit Hauterkrankungen wie Dermatomyositis hatte und ihre Zucht auf vollkommen andere Linien aufgebaut hat, bleibt es ihr überlassen, ob der Rüde weiter in der Zucht eingesetzt wird.

 

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Viele Züchter schreiben nicht, wenn eine Krankheit in ihrer Zucht auftaucht. Die meisten verdrängen es oder verschweigen es. Wer mich kennt, weiß, dass ich dies nicht tue. Mein Motto ist: ehrlich währt am längsten.

Das Problem: Bei unserem E-Wurf (geb. 04.11.10) fand ich nur bei den schwarz-weißen Welpen im Alter von ca. 8 Wochen kleine braune Krusten in den Ohren. Es waren nur wenige und zuerst dachte ich, die Welpen haben gekämpft und sich verletzt. Wenn man die Krusten entfernte, war die reine Haut zu sehen, aber keine Rötung oder ähnliches.

Eve und Enyo zogen dann auch bald in ihr neues Zuhause um, Enapay suchte noch das passende Zuhause und Lilly und Emma sollten ja bei uns bleiben. Als Eve im Alter von 12 Wochen zu Besuch kam, fiel mir auf, dass sie "lichte" Stellen im Gesicht hatte. Vor allem die Partien unter den Augen und der Nasenrücken waren betroffen. Wenig später entdeckte ich bei Enapay auch diese Stellen, aber nur unter den Augen. Die Besitzerin von Enyo berichtete mir das gleiche, wobei bei ihm auch Rutenspitze und Pfoten betroffen waren. Lilly und Emma, die beiden Bi blues, zeigten keinerlei Veränderungen.

Mein erster Gedanke: Dermatomyositis! Nur woher sollte die kommen? Ich denke, das ist mit das Schlimmste, was einem Züchter passieren kann. Zu diesem Thema gibt es einige Seiten im Internet (s. unten) und auch in Deutschland kommt diese Erkrankung in verschiedenen Linien (amerikanische UND englische) vor. Aber bisher hat wohl kein Züchter Tiere, die dies vererben, aus der Zucht genommen. Somit taucht diese Erkrankung immer wieder auf. - Aktuell sogar in unserer Tierklinik, in der auch ein Welpe aus englischen Linien in Behandlung ist. Nähere Informationen haben wir wegen dem Datenschutz keine erhalten.

Eves Besitzerin hatte bereits einen Pilztest machen lassen, der aber negativ war. Sie sagte, in der Tierklinik hier in Birkenfeld gäbe es eine dermatologische Abteilung. Also vereinbarte sie dort einen Termin, zu dem ich mit Enapay auch mitging. Die Tierärztin nahm Proben (Hautgeschabsel, Schuppen und Haare) von beiden Welpen. Nach längerer Wartezeit wurden wir wieder aufgerufen und sie teilte uns mit, dass sie keine Milben gefunden habe. Unser Verdacht waren natürlich auch Demodexmilben. Unter den schuppigen Stellen, die teils in den Ohren und unter den Augen auftraten, wurden allerdings Bakterien gefunden. Sie zeigte uns in einem englischsprachigen Buch Fotos von mit Dermatomyositis (DM) befallenen Shelties und Collies. Ihr Verdacht war diese schreckliche Krankheit! Wir bekamen ein Antibiotikum und einen Schaum mit, der auf die haarlosen Stellen aufgetragen werden sollte, um die Schuppen zu lösen. Ein Termin für eine Biopsie wurde vereinbart, denn nur so kann man DM nachweisen. Bei Enapay wurden noch Proben für einen Pilztest entnommen, der aber auch, wie wir wenig später erfuhren, negativ war.

Bei Eve wurde dann eine Biopsie gemacht, die entnommenen Proben nach England geschickt. Die Ahnentafel kopierte sich die Tierärztin auch, dieses Mal war die Chefin der Abteilung auch anwesend und bestätigte auch den Verdacht auf DM. Nach zwei Wochen sollten wir ein Ergebnis bekommen. Wieder warten!

Eves Besitzerin hatte in der Zwischenzeit eine Homepage in den USA (Texas) gefunden. Dort gibt es zwei Tierärztinnen, die diverse Studien über DM gemacht haben. Sie werden dabei von einer Sheltiezüchterin unterstützt und haben auch Testverpaarungen mit befallenen Shelties vorgenommen. Ich schrieb hin und schilderte mein Problem. Schon am nächsten Tag erhielt ich Antwort. Ich solle sowohl von der Mutter als auch vom Vater die Ahnentafel zuschicken, was ich auch tat. Da Elaine bereits einen Wurf mit Kuga hatte, schickte ich auch seine Ahnentafel mit. Als Antwort erhielt ich, dass in Kugas Ahnentafel keine Hunde auftauchen, die DM vererben oder wo der Verdacht besteht. Von Elaine und Cooper benötigte sie mehr Generationen, also machte ich mich mit Hilfe meiner seit Jahren geführten Sheltie-Datenbank an die Arbeit. Ich erstellte je eine 5-Generationen-Ahnentafel und nahm von den letzten Generationen wiederum die einzelnen Hunde und fertigte davon je 5-Generationen-Ahnentafeln an. Nun hoffe ich, dass mir dort weitergeholfen wird, da ich gerne wüsste, in welchen Linien diese Krankheit schon aufgetreten ist. Wie ich von einer Züchterin in den USA weiß, sind dies einige.

Nun haben wir das Ergebnis der Biopsie: Dermatomyositis! Enapay bekommt weiterhin sein Antibiotikum, weil Bakterien unter den Schuppen gefunden wurden und diese noch nicht vollkommen weg sind. Außerdem soll er Dermanorm-Kapseln einnehmen. Diese Unterstützen die Hautfunktion bei Dermatose und übermässigem Haarausfall. Weiterhin bekommt er Vitamin E und wegen der Erkrankung Trental. Damit wurden gerade in den USA gute Ergebnisse erzielt und die erkrankten Shelties mussten meist nicht mit Kortison behandelt werden. Dies wäre dann der nächste Schritt, falls mit Trental keine Besserung eintritt. Aber wir hoffen, dass Trental bei ihm anschlägt, da es sich wohl um eine leichtere Form der DM handelt.

Nun beginnen die Nachforschungen ...

Cooper hatte bereits in Schweden sechs Welpen gezeugt, die älter sind als unsere. Bei diesen ist alles in Ordnung und auch bei den Welpen von Sissy gibt es keinerlei Anzeichen für Haarausfall. Sollte die DM von Elaine vererbt werden?

 Elaines Mutter wies Ekzeme auf als wir die Welpen im Alter von 4 Wochen besuchten. Die Züchterin sagte nur, das habe sie wohl streßbedingt bei jedem Wurf. Damals dachten wir uns noch nichts dabei. Komisch ist, dass aus Elaines Wurf (von dem 7 von 12 Welpen überlebten) bereits zwei Geschwister verstorben sind. Elaines Schwester wurde nur etwas älter als ein Jahr, die genaue Todesursache wurde nie festgestellt. Ihr Bruder trank aus einer Pfütze, wurde mit Leptospiren infiziert und starb im Alter von 1 1/2 Jahren. Elaines Halbschwester (mütterlicherseits) starb im Alter von 3 1/2 Jahren an einem Hirntumor. Alles nur Zufälle?

Im Nachhinein läßt sich zusammenfassend - in Anbetracht all dieser "eigentlich" verschiedenen Symptome - vielleicht auf vererbbare autoimmunologische Defekte schließen, die sogar zusammenhängend betrachtet werden können. Hirntumore (neben anderen Tumoren), nässende Ekzeme (in und auch ohne Streßsituationen) und auch DM lassen sich neben Inzuchtsdepressionen (hier ist auch die hohe Sterblichkeitsrate von relativ jungen Shelties zu erwähnen)  nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen auf vererbbare autoimmunologische Fehlsteuerungen zurückführen. Dies muss hier nicht vorliegen, erscheint aber mehr als wahrscheinlich.

Aus Texas wissen wir, dass Hündinnen, die DM vererben, nicht in jedem Wurf betroffene Welpen haben müssen. Die DM kann aber dann später bei den erwachsenen Hunden auftreten. So werden wir den Rat unserer Tierärztin befolgen und Elaine kastrieren lassen. Die Welpenkäufer, die Nachkommen von ihr haben, wurden alle von uns informiert. Unsere Zucht führen wir mit den bereits vorhandenen Linien weiter, denn dort gab es bei uns mit DM noch nie Probleme.

Dies haben wir aufgeschrieben, um vor solchen Krankheiten zu warnen und über sie zu informieren. Warum nun ausgerechnet Elaines Welpen betroffen sind, wissen wir nicht, aber wir versuchen es, herauszufinden.

Sollte uns dabei jemand helfen können oder auch betroffene Hunde haben, wäre ein Erfahrungsaustausch super. Leider konnte immer noch nicht genau festgestellt werden, wie DM vererbt wird.

Die neuesten Erkenntnisse ...

Der Tierarzt von Enyos Besitzerin hat sich mit einem Tierarzt in den USA in Verbindung gesetzt. Dieser sagte, dass die DM rezessiv vererbt würde. An einem Gentest wird z. Z. gearbeitet.

Gerade bei schwarz-weißen Shelties kämen in bestimmten Linien oft Autoimmunerkrankungen, wie z. B. Nierenschäden, Hauterkrankungen oder Tumore vor. Dies hinge wohl damit zusammen, dass diese Farbe keine ursprüngliche Colliefarbe sei. Bei Blue merles oder Bi blues seien noch keine solcher Erkrankungen aufgetreten, sehr wohl aber gehäuft bei schwarz-weißen Shelties. Es wird sogar darüber nachgedacht, in den USA weniger Tiere mit schwarz-weißer Farbgebung zu züchten, um diese Autoimmunschwäche in den Griff zu bekommen.

Wir hoffen, bald noch mehr darüber zu erfahren.

08.03.2011: Antwort aus Texas!

Nun haben wir Antwort aus Texas erhalten und wissen etwas mehr. Sherry Lindsey, der ich die Ahnentafeln von Elaine und Cooper geschickt hatte, hat mir Hunde genannt, bei denen der Verdacht besteht, dass sie DM vererbt haben. Diese betreffen die von mir gesandten Ahnentafeln, deshalb werde ich diese Namen hier nicht veröffentlichen. Sherry steht allen Züchtern und Besitzern zur Verfügung, die mehr über DM wissen möchten oder die Hunde besitzen, bei denen Symptome aufgetreten sind. Wer also schon einen Fall von DM hatte und Fragen zu den Ahnentafeln seiner Hunde hat (natürlich nur die amerikanischen Linien), der kann ihr schreiben und sie versucht herauszufinden, ob es Hunde in weiteren Generationen gibt, die DM vererbt haben. Ihre E-Mail-Adresse lautet: Shalainetx@aol.com.

Sherry hat bereits eine Mail von jemandem bekommen, der diese Seite hier gelesen hat und befürchtet, sein Sheltie sei auch an DM erkrankt. Also kommt diese Erkrankung doch nicht so selten vor, es spricht nur niemand darüber!?

Leider erhielt ich persönlich auf diesen Text keine Resonanz, weiß aber, dass in diversen Sheltieforen darüber geschrieben wurde. Es scheint auch mindestens zwei deutsche Züchter zu geben, bei denen Dermatomyositis schon aufgetreten ist. Es wird wie gehabt darüber kein Wort verloren, die Elterntiere sind bzw. waren weiterhin in der Zucht...

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es so wenige Fälle von DM in Europa gibt. Aber bitte, schweigt alle weiter darüber, irgendwann holen Euch die Sünden der Vergangenheit ein...

Es werden wohl in absehbarer Zukunft vermehrt Fälle von DM bei Shelties auftreten, dann "muss" dieses Tabuthema zum Wohle der Rasse öffentlich behandelt werden. Genauso wie es HEUTE schon eine Datenbank für DM bei Schäferhunden gibt, müssen wir diesen Weg mit ziemlicher Sicherheit auch gehen. In den USA sind sie uns, wie üblich, diesbezüglich wieder um Jahre voraus.

Juli 2011

Enapay geht es momentan sehr gut. Die Haare im Gesicht sind bis auf kleine Stellen alle wieder da, nur die Rutenspitze ist noch etwas kahl. Gerade an dieser Stelle dauert es halt ewig, bis die Haare wieder wachsen. Seine Schwester Eve wurde bereits kastriert und hat danach nochmals einen Schub bekommen. Die Haare unter den Augen, auf dem Nasenrücken und bis zu den Mundwinkeln sind ausgefallen, die Stellen verkrustet. Mittlerweile kommen aber wieder schwarze Stellen und die Härchen sprießen. Enapay wird Ende Juli kastriert, wir können nur hoffen, dass dadurch nicht auch ein weiterer Schub folgt. Auch Enyo geht es sehr gut, aber auch er hat noch eine etwas kahle Rutenspitze. Neuerdings gibt es auch wieder Krusten in den Ohren, ansonsten geht es ihm aber gut.

Enapay war nochmals zur Nachuntersuchung in der Tierklinik, alles sieht soweit gut aus und die Trentaldosis muss auch nicht erhöht werden. Die Spezialistin für Dermatologie sagte, dass es sich nun herauskristallisiere, dass die DM autosomal dominant vererbt wird. Es muss aber nicht in jedem Wurf z. B. der Mutter auftreten, es kommt auf die Verpaarung an und ob vom anderen Elterntier auch vererbt wird.

Wir haben nun bereits vier deutsche Zwinger (3x englische Linien, 1x überwiegend amerikanische Linien) ausfindig gemacht, in denen DM schon vorkam. Die betroffenen Hunde - fast alle ältere Semester - sind sogar teilweise miteinander verwandt, was ja sehr aufschlussreich ist. Leider verschließen die Züchter weiterhin die Augen, das gibt mir sehr zu denken, aber so etwas habe ich erwartet. Es wurde und wird auch mit den Eltern und Geschwistern dieser Hunde weitergezüchtet... Auch die Tierärztin ist der Meinung, dass es nur von Vorteil wäre, wenn sich die Züchter z. B. eine Datenbank aufbauen, damit solche Erkrankungsfälle vermieden werden könnten. Aber darauf können wir wohl lange warten...

Links zum Thema Dermatomyositis:

http://www.tintenblau.de/
http://www.shalaine.com/dm/dm.html

Diese Seite ist auch einen Klick wert, hat aber mit dem Thema nichts zu tun:

http://www.shalaine.com/quiltworks/portraits.html

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© D. & A. Bruch
Erstellt am 7. März 2011 und aktualisiert am 25. Januar 2012.